Der Verein Zukunftsmodell Klima Hirschkäferverbreitung Hirschkäferwetter Zukunftsprojekte Käferschutz Lebensraumschutz Umweltbildung

Zukunftsmodell Kulturlandschaft

Der Hirschkäfer Lucanus cervus in der Kulturlandschaft oder das Leben der Hirschkäfer in Alf und Bullay (Mittelmosel/Rheinland-Pfalz)

Ziel
Am Beispiel der Gemarkungen Alf und Bullay möchten wir Ihnen zeigen, wie wir uns das Leben der Hirschkäfer in unserer Kulturlandschaft heute und zukünftig vorstellen. 


Dies soll ein wesentlicher Beitrag zum Insekt des Jahres 2012 sein. Hirschkäfer kamen in der Vergangenheit ganz gut mit uns Menschen zurecht. In einer Zeit, in der wir binnen weniger Tage ganze Landschaften umgestalten können und dies auch tun, sollten wir aber wenigstens wissen, wo denn Hirschkäfer wirklich ihr Zuhause haben und vor allem, worauf es ankommt. 


Hintergrund: Die Geschichte der Hirschkäfer im Moseltal
Hirschkäfer waren wohl bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts in Alf und Bullay sowie im großen Teilen des Moseltales recht häufig. Quantitative Nachweise liegen nicht vor, die Angaben beruhen auf Erzählungen und Überlieferungen. 


Die menschliche Beeinflussung der Wälder und Landschaft im Moseltal begann nachweisbar bereits mit Kelten und Römern durch Weinbau und Holznutzung. Man kann aber davon ausgehen, dass bereits der vorzeitliche Mensch (vor 7500 Jahren) mit der Waldnutzung und damit der Gestaltung der Landschaft begonnen hat. 


Die mit wachsender Bevölkerungszahl immer mehr ausbeuterische Waldnutzung führte zu Auflichtungen der Wälder um die Siedlungen herum. Vor allem aber wurden die Eiche und weitere Lichtbaumarten wie z.B. die Kirsche begünstigt . Einen Mangel an gut besonnten Bruthabitaten dürfte es um die Siedlungen herum kaum gegeben haben. Anderseits dürften einzelne solitärartige Bäume um die Siedlungen herum oder darin gestanden haben. Nicht zuletzt diese Übernutzung führte zur nachhaltigen Forstwirtschaft, die zum Aufbau von heute über 200 jährigen geschlossenen Eichenbeständen auf den Moselhöhen und Hängen führte. Die intensive Niederwaldwirtschaft existierte parallel dazu gut 150 Jahre weiter. 


Diese Niederwaldwirtschaft als Bewirtschaftungsform im Wechsel zwischen Land- und kurzumtriebiger Waldwirtschaft war bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer noch landschaftsprägend. Auch diese Bewirtschaftungsform brachte durch viel Licht und immer wieder überalternden und absterbende Stöcken Hirschkäferlebensräume hervor. Mit wachsendem Wohlstand kam diese Bewirtschaftungsform gänzlich zum erliegen, Teile der Niederwälder wurden in Nadelholzwälder umgewandelt. 


Das warme Moseltal gilt als Einwanderungsstraße für thermophile Insektenarten. Die häufigen Hirschkäfervorkommen entlang der Mosel dürften also sowohl klimatisch als auch anthropogen begünstigt gewesen sein. 


Der Rückgang seit den 50-iger Jahren ist wohl in allererster Linie durch die Aufgabe der Niederwaldwirtschaft, Umwandlung von solchen Flächen in Nadelwaldflächen und den später immer mehr zunehmenden Landschaftsverbrauch von Offenland zu erklären (Baugebiete, Weinbau etc.). Im Wald entstanden noch mehr geschlossene, für ihn unattraktive Waldflächen, im Offenland wurde Lucanus cervus nicht beachtet. 


Mittlerweile werden Hirschkäfer in Alf und Bullay wieder jährlich gesehen. Dies liegt aber ganz entschieden an der seit dem Jahr 2000 gegebenen und beworbenen Möglichkeit, Hirschkäfermeldungen abzugeben. 


Woran liegt es nun, dass die Hirschkäfer nach einer fast 40 jährigen scheinbaren Abwesenheit wieder zunehmen? Dieser Frage haben und werden wir uns stellen, erste Antworten haben wir bereits erarbeitet. Wichtiger als der Blick zurück ist jedoch der Blick nach vorne. 


Hirschkäfer in Alf und Bullay nachhaltig sichern wird nur gelingen, wenn die Offenlandschaft in die Ortslagen einbezogen wird. Die wiederum wird nur funktionieren, wenn wir Menschen dazu bereit sind und dem Hirschkäfer diesen Lebensraum zugestehen. 


Wir nehmen mit unserer Untersuchungen dem Hirschkäfer etwas den traditionellen Waldmythos. Diesen Mythos wurde ihm gegeben, ohne ihn zu fragen. Wir fragen ihn nun, indem wir untersuchen wo und wie er lebt.