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aktuelle Verbreitung

Alf / Bullach

Beobachtete Käfer

in Alf & Bullay (2000 - 2014)
Unser Ansatz

Wir nehmen die Situation so an, wie Sie ist. Hirschkäfer haben in Alf und Bullay nachhaltige Vorkommen im Offenland. Es bestehen durchaus Kontakte zum Wald. 


Hirschkäfer lieben Bäume und Sträucher in allen Stadien. Sie kennen den Waldbegriff nicht, sondern meiden dunkle geschlossene Waldungen. Hirschkäfer sind an bestimmte Habitatstrukturen gebunden. Diese müssen über längere Zeiträume (Jahrzehnte) möglichst konstant sein. Dies scheint im Offenland noch vielfache der Fall zu sein, hängt aber für die Zukunft nicht zuletzt davon ab, dass wir auch akzeptieren, dass er dort leben will. 


Die aufgestellten Thesen zum Insekt des Jahres 2012 in Berlin sind da nicht unbedingt hilfreich, ja sogar schädlich.

Hirschkäfer-Vorkommen

Vorkommen und Verbreitung der Hirschkäfer in Bullay und Alf

Hirschkäfer werden in Alf und Bullay seit dem Jahr 2000 beobachtet. Der deutliche Anstieg in der Zahl der Beobachtungen über die Jahre hinweg ist keinesfalls auf Veränderungen der strukturellen Lebensbedingungen, wie z.B. Brutstättenangebot, sondern in erster Linie auf Sensibilisierungs- und Lerneffekte der Beobachter und Bevölkerung zurückzuführen. Vor dem Jahr 2000 galten Hirschkäfer in Alf und Bullay als sehr selten. 


Diejenigen, die damals von selten sprachen, waren meist Personen in einem Alter von 50 und mehr Jahren. Sie haben Hirschkäfer in ihrer Kindheit und Jugend noch häufig erlebt. Sicherlich auch, weil Kinder sich in der damaligen Zeit in ihrer Freizeit noch mehr spielend in der Landschaft aufgehalten haben, als es heute der Fall ist. Gleichzeitig wurde noch mehr Garten- und Landwirtschaft betrieben, man war mehr in der Landschaft, auch abends unterwegs. 


Dies kann nicht über den tatsächlichen Rückgang hinwegtäuschen, erklärt aber, warum Hirschkäfer vor 2000 nur äußerst selten gesehen wurden. Sie waren die ganze Zeit über noch da. Wahrscheinlich gab es einen deutlichen Populationsschwund in den 60er, 70er und 80er Jahren, der Zeit der großen Umstrukturierungen. 


Hirschkäfer haben in Alf und Bullay Schwerpunkte ihres Lebensraumes in und um die Ortslagen. 


Waldbeobachtungen sind natürlich schwieriger zu machen. Menschen halten sich seltener im Wald und noch seltener abends dort auf. Auch gezieltes Suchen ist schwieriger. Es wurden aber zahlreiche Untersuchungen vorgenommen, Zielgruppen befragt und allem voran die telemetrischen Untersuchungen weisen auf Offenland, vor allem für die Standorte der Bruthabitate hin. 


Kontakte zum Wald sind da, an offenen, lichten Stellen oder in stark besonnten Niederwaldhängen kann man auch Hirschkäfer finden.

Lokalklima

Das Moseltal hat nach dem Oberrheingraben das wärmste Klima Mitteleuropas. Das Klima speziell an der Mittelmosel im Tal und an ihren Hängen ist mild, sonnenreich und durch warme, in letzter Zeit auch heiße Sommer und gemäßigte, feuchte Winter geprägt. In unmittelbarer Nähe zu den Ortschaften Alf und Bullay zieht sich in der Eifel ein zusammenhängendes, 3000 ha großes Waldgebiet, der sogenannte Kondelwald, nordwestlich der Mosel von der Wittlicher Senke bis nach Alf. Es reicht bis zu einer Höhe von 460 Meter über NN. Dieses Areal hat einen großen Einfluss auf die Niederschlagstätigkeit in der näheren Region. Besonders bei Gewitterwetterlagen im Sommer fallen dort enorme Regenmengen. 


Auch die Moselstaustufe, 3 km nördlich der Orte flussabwärts gelegen, wirkt sich durch ihre große Wassermenge und Wasseroberfläche, besonders in den Herbst- und Wintermonaten, durch verstärkte Nebelbänke auf das Kleinklima aus. Dieses bedeutet oft Frühnebel, der im späten Herbst und im Winter die Nachtfröste abschwächt. Unregelmäßige Moselhochwasser, meist in den Wintermonaten, überfluten bei Pegelständen in Trier von über 7 Meter die Uferregionen mit Gärten, Häusern, Straßen und Bahnlinien. 


Die Temperaturpalette reicht von –18,2° C am 20.12.2009 bis 39,8° C am 8.8.2003 (gemessen an der privaten Wetterstation Meteo-Sarret-180 in Bullay). Die bisher höchste Temperatur in der weiteren Region wurde am 8. August 2003 mit 40,3 C in Nennig an der Obermosel verzeichnet.

„Hirschkäferklima“ im Moseltal bei Bullay und Alf

Die klimatischen Voraussetzungen für den Hirschkäfer erscheinen im Moseltal nahezu ideal. Mildes, sonnenreiches Klima sowie schwülwarme Wetterlagen mit Gewitterneigung sind sehr positive Attribute für seine Kimansprüche. 


Die unregelmäßigen Mosel-, Uess- und Alfbachhochwasser stellen nach bisherigen Untersuchungen keine wesentlichen Beeinträchtigungen der Bruthabitate und Lebensräume dar. Die dauerhafte Anhebung des Wasserspiegels durch die Moselstaustufe bei St. Aldegund dürfte allerdings in Ufernähe nachhaltig Lebensräume vernichtet haben. 


Die sich auch im Moseltal andeutende Veränderung des Klimas bringt Auswirkungen auf die Lebensbedingungen für den Hirschkäfer mit sich. Neben dem Anstieg der Durchschnittstemperaturen zeigt sich die Tendenz einer Vermehrung von Hitzetagen (>30 °C) während der Hirschkäferzeit (Mai-Juli). Bei einem weiteren Anstieg können signifikante Auswirkungen auf Zeitraum, Dauer und Erfolg der aktiven Hirschkäferzeit eintreten 


Im Monat Mai könnten weitere Temperaturanstiege z.B. zu einem früheren Start der Hirschkäferzeit führen. Ansätze einer Verlagerung in dieser Richtung sind bereits zu erkennen (2011). Im Monat Juni hingegen führt ein Anstieg der Hitzetage eher zu einem schnelleren Ende der Hirschkäferzeit (2003), vor allem durch den Stresstod von Männchen. Der Monat Juli beendet bisher die Hirschkäfersaison. Veränderungen haben hier zunächst keine so gravierenden Auswirkungen mehr, da sich die noch lebenden Käfer (Weibchen) meist tiefer im Erdreich aufhalten. 


Für die Entwicklung und Entwicklungszeit der Hirschkäfer vom Ei zum Imago ist bei den sich derzeit andeutenden Veränderungen im Klima eher von Verkürzung der Entwicklungszeit auszugehen. Inwieweit diese signifikant werden, bleibt abzuwarten. Eine derartige Veränderung dürfte aber nur sehr schwer und wenn überhaupt nur langfristig nachzuweisen sein. Welche Auswirkungen der Rückgang bei den Niederschlägen auf die Hirschkäfer hat, bleibt unbewertet.