Zukunftsmodell Klima Gebietsbeschreibung Hirschkäfervorkommen Hirschkäferwetter Zukunftsprojekte

Jahresdurchschnittswerte

Temperatur / Niederschlag
Datenquelle

Wetterstation Meteo-Sarret-180
Obere Bergstr. 2 56859 Bullay

Sarret bedeutet die Flurbezeichnung, auf der die Wetterstation steht. Der Standort ist auf einer Höhe von 180 m über NN.

Seit 35 Jahren werden hier von Hans Braun in einer so genannten „Kleinen Wetterhütte" regelmäßige Messungen und Wetterbeobachtungen vorgenommen. Bestückt ist diese Station mit je einem Maximum- und Minimumthermometer.

Ein Hygrometer, ein Barometer, ein Regenmesser und eine Windfahne gehören mit zur Ausstattung. In jüngster Zeit wird auch eine WS 2000-Wetterstation von der Firma ELV eingesetzt. 
Die Auswertung der Daten erfolgt über einen PC.

2015

Temperaturmäßig lag das Jahr 2015 mit 11,5°C über dem 30-jährigen Mittel, erreichte aber nicht die Rekordwerte vom Vorjahr. 9 von 12 Monaten zeigten überdurchschnittliche Werte. Die Wintermonate Januar und Februar brachten wenig Schnee und nur leichten Frost. Nach einem mittelmäßigen, aber etwas zu trockenen Frühjahr folgte ein in Hitze- und Regenphasen stark unterschiedlicher, relativ heißer Sommer mit kühlen und feuchten Wetterepisoden. Im Herbst gab es bei fehlender Sonne milde Temperaturen und überdurchschnittliche Niederschläge. 2015 schien weniger die Sonne und es gab weniger Niederschlag.

Hirschkäfer-Klima

Klimazone

Die Mosellandschaft und somit auch der Hunsrück und die Eifel gehören zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas (40 - 60° nördl. Breite). Sie befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem Kontinentalklima im Osten.


Im Bereich der Westwindzone wird das Wetterbild von Hoch- und Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa geprägt. Sehr stark wird das Klima vom Golfstrom beeinflusst, der für das hohe Temperaturniveau für die vergleichsweise nördliche Breite verantwortlich ist. Außergewöhnliche Wetterverhältnisse, wie lang anhaltende extreme Hitze mit Dürren oder strenge Frostperioden sind auf Grund der ausgleichenden Westwetterlagen, die ca. 80 % des Gesamtwetterbildes ausmachen, verhältnismäßig selten. In den letzten Jahren ziehen jedoch immer häufiger einzelne Sturm- oder Orkantiefs über den Norden Europas, die auch die Mittelgebirge beeinflussen.


Der Trend zu längeren trockenen und auf der anderen Seite längeren nassen Witterungsphasen nahm in den vergangen Jahren immer mehr zu. In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich, wie auch weltweit, ein allgemeiner Verlauf zu höheren Temperaturen ab.

Lokalklima

Das Moseltal hat nach dem Oberrheingraben das wärmste Klima Mitteleuropas. Das Klima speziell an der Mittelmosel im Tal und an ihren Hängen ist mild, sonnenreich und durch warme, in letzter Zeit auch heiße Sommer und gemäßigte, feuchte Winter geprägt. In unmittelbarer Nähe zu den Ortschaften Alf und Bullay zieht sich in der Eifel ein zusammenhängendes, 3000 ha großes Waldgebiet, der sogenannte Kondelwald, nordwestlich der Mosel von der Wittlicher Senke bis nach Alf. Es reicht bis zu einer Höhe von 460 Meter über NN. Dieses Areal hat einen großen Einfluss auf die Niederschlagstätigkeit in der näheren Region. Besonders bei Gewitterwetterlagen im Sommer fallen dort enorme Regenmengen. 

Auch die Moselstaustufe, 3 km nördlich der Orte flussabwärts gelegen, wirkt sich durch ihre große Wassermenge und Wasseroberfläche, besonders in den Herbst- und Wintermonaten, durch verstärkte Nebelbänke auf das Kleinklima aus. Dieses bedeutet oft Frühnebel, der im späten Herbst und im Winter die Nachtfröste abschwächt. Unregelmäßige Moselhochwasser, meist in den Wintermonaten, überfluten bei Pegelständen in Trier von über 7 Meter die Uferregionen mit Gärten, Häusern, Straßen und Bahnlinien. 

Die Temperaturpalette reicht von –18,2° C am 20.12.2009 bis 39,8° C am 8.8.2003 (gemessen an der privaten Wetterstation Meteo-Sarret-180 in Bullay). Die bisher höchste Temperatur in der weiteren Region wurde am 8. August 2003 mit 40,3 C in Nennig an der Obermosel verzeichnet.

„Hirschkäferklima“ im Moseltal bei Bullay und Alf

Die klimatischen Voraussetzungen für den Hirschkäfer erscheinen im Moseltal nahezu ideal. Mildes, sonnenreiches Klima sowie schwülwarme Wetterlagen mit Gewitterneigung sind sehr positive Attribute für seine Kimansprüche. 

Die unregelmäßigen Mosel-, Uess- und Alfbachhochwasser stellen nach bisherigen Untersuchungen keine wesentlichen Beeinträchtigungen der Bruthabitate und Lebensräume dar. Die dauerhafte Anhebung des Wasserspiegels durch die Moselstaustufe bei St. Aldegund dürfte allerdings in Ufernähe nachhaltig Lebensräume vernichtet haben. 

Die sich auch im Moseltal andeutende Veränderung des Klimas bringt Auswirkungen auf die Lebensbedingungen für den Hirschkäfer mit sich. Neben dem Anstieg der Durchschnittstemperaturen zeigt sich die Tendenz einer Vermehrung von Hitzetagen (>30 °C) während der Hirschkäferzeit (Mai-Juli). Bei einem weiteren Anstieg können signifikante Auswirkungen auf Zeitraum, Dauer und Erfolg der aktiven Hirschkäferzeit eintreten 

Im Monat Mai könnten weitere Temperaturanstiege z.B. zu einem früheren Start der Hirschkäferzeit führen. Ansätze einer Verlagerung in dieser Richtung sind bereits zu erkennen (2011). Im Monat Juni hingegen führt ein Anstieg der Hitzetage eher zu einem schnelleren Ende der Hirschkäferzeit (2003), vor allem durch den Stresstod von Männchen. Der Monat Juli beendet bisher die Hirschkäfersaison. Veränderungen haben hier zunächst keine so gravierenden Auswirkungen mehr, da sich die noch lebenden Käfer (Weibchen) meist tiefer im Erdreich aufhalten. 

Für die Entwicklung und Entwicklungszeit der Hirschkäfer vom Ei zum Imago ist bei den sich derzeit andeutenden Veränderungen im Klima eher von Verkürzung der Entwicklungszeit auszugehen. Inwieweit diese signifikant werden, bleibt abzuwarten. Eine derartige Veränderung dürfte aber nur sehr schwer und wenn überhaupt nur langfristig nachzuweisen sein. Welche Auswirkungen der Rückgang bei den Niederschlägen auf die Hirschkäfer hat, bleibt unbewertet.