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Die Hirschkäferzeit

Der Monat Juni gilt als der Hirschkäfermonat. Es gibt aber noch eine aktive Zeit davor und danach, die ganz wichtig für den Erfolg dieser letzten und entscheidenden Phase im langen Leben der Hirschkäfer ist.

Die Männchen schlüpfen bis zu einer Woche früher als die Weibchen. Ab dem 15. Mai ist regelmäßig mit dem Auftreten von Männchen zu rechnen. Anfang Juni schlüpfen die letzten Weibchen.

Beide Geschlechter sind vor allem im Bezug auf ihr Flugverhalten überwiegend dämmerungsaktiv. Der Start wird intensiv vorbereitet. Weibchen fliegen seltener und legen auch größere Ortsveränderungen laufend zurück. Männchen laufen dagegen nur in Nahbereichen und wählen bereits für Entfernungen von wenigen Metern in der Regel den Flug. Modelrechnungen auf der Grundlage meiner intensiven telemetrischer Untersuchungen lassen als Maximaldistanzen einzelner Individuen vom Verlassen des Nestes für Weibchen 1000 Meter (Ausbreitung) und für Männchen 3000 Meter (Genfluss) erwarten. Die Käfer verstecken sich zu Beginn über Tag und sind überwiegend nur zu den abendlichen Schwärmzeiten und nachts aktiv. Begegnungen mit Menschen sind zufällig. Dieses Bild wandelt sich mit zunehmender Lebensdauer, wo es auch zu Aktivitäten über Tag kommen kann.

Die Möglichkeit der Nahrungsaufnahme adulter Hirschkäfer beschränkt sich auf die Aufnahme von Baumsäften und den Säften reifer Früchte wie Kirschen. Beide Geschlechter verlieren ab dem Schlupf an Kondition. Mit der Saftaufnahme können Konditionsverluste lediglich abgemildert werden. Der Konditionsverlust korreliert vielmehr mit der Höhe der durchschnittlichen Tagestemperaturen. Die Dauer des eh kurzen aktiven Imaginallebens der Hirschkäfer wird durch übermäßige Hitze wie im Jahr 2003 negativ beeinflusst. Ein Fakt, welcher im Rahmen des Klimawandels Auswirkungen für die Art haben könnte Saftaufnahme spielt dagegen eine Rolle beim Anlocken der Männchen durch das Weibchen. Das Weibchen ist in der Lage, selbst kleine Saftmale anzulegen. Die in der Literatur beschriebenen großen Treffen an Rindenwunden alter Eichen spielen sich meist an kleinen Saftmalen einzelner Weibchen ab. Hier kommt es dann zum Aufeinandertreffen rivalisierender Männchen und den oft beschriebenen Rivalenkämpfen.

Daneben gibt es Alternativen im Paarungsverhalten. So kann es bereits im Nestbereich eines oder beider Partner zu Paarungen kommen und Weibchen können in Nahbereichen von wenigen Metern zielstrebig auf Männchen zugehen und diese direkt zur Paarung animieren. Die Strategien werden auch durch die Käfergröße beeinflusst, ebenso wie das Größenverhältnis von Männchen zu Weibchen über den Paarungserfolg entscheidet. Nach erfolgreicher Paarung suchen die Männchen weiter, wobei sie andere Nester fliegend aufsuchen, während die Weibchen mit der Nestsuche beginnen, dabei laufen sie auch schon mal tagsüber. Dieses Laufen des Weibchens im Nahbereich des Nestes gleicht einer Inspektion auf Tauglichkeit. Eingegrabene Weibchen bleiben mehrere Wochen im Habitat, versterben dort oder werden im Umfeld der Brutstätte sterbend oder tot angetroffen. Weibchen können bis in den Juli hinein laufend angetroffen werden, Während die ersten Männchen schon Ende Juni sterben. Im Juli sind Männchen nur noch selten anzutreffen.

Hirschkäfer haben gerade während der Hirschkäferzeit viele Fressfeinde (Specht, Elster, Katze, Marder, Igel). Der Straßenverkehr, Beleuchtungen, glatte Oberflächen, kleine Wasserflächen und Hitzestress fordern ebenfalls viele Opfer. Betroffen sind meistens die Männchen, die den Preis ihres „Geweihs“ nicht selten mit dem vorzeitigen Tot bezahlen. Weibchen dagegen fallen weniger auf und vertragen auf weichen Untergründen, dank ihrer flachen Körperform, manchmal sogar Trittbelastung.